Internationale Schule Schelfstadt
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Die Schelfstadt schließt nördlich an die Altstadt an. Ihre Grenzen sind die Knaudtstraße im Norden, die Werderstraße im Osten, Grüne Straße, Burgstraße und Friedrichstraße im Süden und die Alexandrinenstraße im Westen; der Pfaffenteich gehört zum Stadtteil. Auf der Schelfe stand schon im Mittelalter eine Siedlung. 1705 erhob der Herzog sie zur eigenen Stadt und ließ einen planmäßigen Ausbau über die alten Wege legen. Der Grundriss von damals ist erhalten und steht unter Denkmalschutz, dazu Fachwerkbauten des 18. Jahrhunderts.
1171 erscheint das Gebiet in einer Urkunde als Insel bei Schwerin, 1186 dann erstmals unter eigenem Namen: Eine Urkunde Papst Urbans III. vom 23. Februar nennt die „scala“, die Schelfe. Der Name wird meist auf das niederdeutsche „Schelp“ für Schilf zurückgeführt, was zum sumpfigen Gelände passt – sicher belegt ist diese Deutung nicht. 1284 gingen die Eigentumsrechte durch einen Vergleich zwischen Graf Helmold III. und Bischof Hermann an das Schweriner Domkapitel. Mit der Auflösung des Bistums 1648 kam das Gebiet als Fürstentum Schwerin an das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts waren die Höfe und Besitzungen auf der Schelfe vernachlässigt, Brände hatten den Bestand vermindert. Ein Edikt vom 17. Mai 1698 stellte Steuer- und Abgabenerleichterungen in Aussicht. Am 26. Juni 1705 erklärte Herzog Friedrich Wilhelm in der „Declaration zum Ausbau der Schelfe“, das Gebiet planmäßig auszubauen und zu einer eigenständigen Stadt mit Rathaus, Magistrat, Gericht und Kirche zu erheben. Sie hieß fortan Neustadt. Wer dort baute, bekam einen Bauplatz und einen Anteil an den Baukosten oder am Baumaterial erlassen.
Eine eigene Verfassung erhielt die Neustadt 1769. 1832 wurden Alt- und Neustadt vereinigt; die Gesamtstadt bekam damit zugleich eine neue Stadtverfassung.
Reutz riss die alte Schelfe nicht ab, sondern baute auf ihr auf. Drei Straßenzüge bestanden seit dem Mittelalter und liefen strahlenförmig auf die Altstadt zu: der Zug aus Schul-, Pfaffen- und Apothekerstraße, die heutige Puschkinstraße als frühere Hauptstraße und der Zug aus Fischer-, Münz- und Bergstraße. Reutz nahm sie auf, verlängerte sie und teilte die Flächen dazwischen in regelmäßige Baufelder. Nördlich von Schelfmarkt, Kirchen- und Amtstraße legte er ein Gitter an: Werderstraße, Bergstraße und Schelfstraße in Nord-Süd-Richtung, rechtwinklig gekreuzt von Nebenstraßen.
Weil die alten Wege das Rückgrat blieben, sind die Quartiere unterschiedlich groß und geschnitten – altstadtnah klein und dicht bebaut, zum Schelfmarkt hin größer und innen offener. Wo die Radialstraßen aufeinandertreffen, blieben dreieckige Flächen übrig; daraus sind der Ziegenmarkt und der Schweinemarkt hervorgegangen.
Der Marktplatz war ursprünglich anders gedacht. Reutz’ erster Plan von 1705 sah eine einzige rechteckige Fläche von etwa 100 × 190 Metern vor; diesen Teil lehnte der Herzog ab. Ausgeführt wurde die versetzte Doppelanlage, die den Stadtteil bis heute prägt: südlich der annähernd quadratische Kirchplatz mit der Nikolaikirche in der Mitte, nördlich der längliche Schelfmarkt mit dem Rathaus an der Westseite.
Reutz entwarf außerdem Typenhäuser, ein- und zweigeschossig; von ihm signierte Entwürfe sind erhalten. Ein standardisierter Grundriss machte die Baukosten im Voraus kalkulierbar.
Die Bebauung von 1705 bis etwa 1800 besteht aus barocken und frühklassizistischen Fachwerkhäusern, überwiegend zweigeschossig und vier bis elf Fensterachsen breit. Sie stehen traufständig zur Straße, tragen Sattel-, Voll- oder Krüppelwalmdächer und kleine Giebel- oder Fledermausgauben. Die Denkmalbereichsverordnung nennt eine einzige giebelständige Ausnahme: Puschkinstraße 20, die zugleich aus der Bauflucht hervortritt.
Sichtbares Holz war dabei die Ausnahme, nicht die Regel: Fast alle Straßenfassaden wurden früh einfarbig gestrichen oder verputzt, materialsichtig blieben eher die Hofseiten. Die mehrfarbige Betonung von Balken und Gefachen, die man heute an vielen Häusern sieht, kam erst bei Umbauten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf.
Nach 1871 ersetzten mehrgeschossige Mietshäuser einen Teil der niedrigen Fachwerkbauten, vor allem in Werder-, Berg-, Pfaffen-, Apotheker-, Münz- und Schliemannstraße und am Ziegenmarkt. Die Jahnstraße wurde 1915 begonnen und 1929 als geschlossener Straßenzug vollendet; ihre Baupläne mussten dem „Künstlerischen Beirat zum Schutze des Ortsbildes“ vorgelegt werden.
Am 8. Dezember 1703 riss ein Orkan den Turmhelm der baufälligen Nikolaikirche ab. Der Herzog ließ den Vorgängerbau abbrechen; die Grundsteinlegung für den Neubau erfolgte am 15. Mai 1708. Jacob Reutz entwarf einen barocken Zentralbau über kreuzförmigem Grundriss und leitete die Arbeiten bis zu seinem Tod 1710. Danach übernahm Leonhard Christoph Sturm, der vor allem den Innenausbau änderte. Geweiht wurde die Kirche am 24. September 1713.
St. Nikolai gilt als erster bedeutender Kirchenneubau Mecklenburgs nach der Reformation und als eine der wenigen barocken Backsteinkirchen Norddeutschlands. Unter dem Altar liegt die herzogliche Gruft: Friedrich Wilhelm wurde dort 1714 beigesetzt, bis 1813 diente die Kirche als Grablege des Hauses Mecklenburg-Schwerin.
Am Schelfmarkt steht das Neustädtische Rathaus. Die Neustadt kaufte 1776 ein Wohnhaus und richtete darin ihre Verwaltung ein; bis zur Vereinigung 1832 blieb es Rathaus.
Auf den Prinzenhof in der Puschkinstraße geht das Neustädtische Palais zurück; das Grundstück wurde 1708 erworben. 1779/80 baute Johann Joachim Busch es nach französischem Vorbild so weitgehend um, dass es einem Neubau gleichkam. Georg Adolph Demmler richtete um 1848/49 den Festsaal ein, Hermann Willebrand prägte die späteren Bauphasen von 1878/79 bis in die 1880er Jahre.
In der Münzstraße 8 steht ein um 1715 errichtetes Wohnhaus, das von 1778 bis 1850 als Münzprägestätte diente. Nach dem Ende der Prägung gestaltete Willebrand es von 1855 bis 1858 zur Wohnung der Staatsminister um. Das barocke Adelspalais in der Puschkinstraße 12, heute Schleswig-Holstein-Haus, war stark gefährdet; nach einem Hilfsangebot des Landes Schleswig-Holstein Ende 1989 begannen 1991 die Sicherungsarbeiten, 1995 wurde es als Kulturforum eröffnet.
Zwischen 1945 und 1989 wurde in der Schelfstadt kaum gebaut, und die Bauunterhaltung blieb jahrzehntelang aus. In den 1980er Jahren gab es ernsthafte Absichten, große Teile des Viertels abzureißen. Wie so etwas endet, war in der Altstadt zu sehen: Am Großen Moor wurde zwischen 1977 und 1982 flächig abgerissen.
Im Herbst 1988 bildete sich die Schelfstadt-Initiative aus Bürgern, Architekten und Künstlern. Ihre Ausstellung „Denk-mal Schelfstadt“ war im April und Mai 1989 in der Galerie am Pfaffenteich zu sehen und zeigte erhaltende Gegenentwürfe zur Abrissplanung. Die Abrissaktivitäten wurden 1989 zunächst gestoppt; die Stadt sieht darin rückblickend eine erste Weichenstellung für einen baupolitischen Kurswechsel.
1991 begann die Städtebauförderung. Die Sanierungssatzung Schelfstadt datiert vom 6. Dezember 1991 und wurde im Februar 1992 rechtskräftig. 2004 kam das Erweiterungsgebiet hinzu. Mit der Amtstraße meldete die Stadt Ende 2024 die letzte Erschließungsmaßnahme als abgeschlossen: 36 Straßen, Plätze, Freiflächen und Spielplätze waren erneuert.
Einiges vom alten Zustand ist erhalten geblieben, weil es nie überbaut wurde. Altes Feldsteinpflaster liegt noch in der Apothekerstraße, der Mühlenstraße und auf dem Schweinemarkt. Weil über Jahrhunderte fast nur straßenseitig gebaut wurde, blieben in den nördlichen Blöcken zusammenhängende Gärten erhalten; die der nördlichen Landreiterstraße reichen bis zur Knaudtstraße, weil dort der Blockrand nie geschlossen wurde.
Am kleinen Mühlenberg, ungefähr am Ende der damaligen Pfaffenstraße in Höhe der heutigen Mühlenstraße, lag der erste jüdische Friedhof Schwerins.
Einige Straßennamen verweisen auf frühere Bewohner und Nutzungen. Auf der Schelfe siedelten Geistliche und Domherren auf eigenen Höfen, daher die Pfaffenstraße; unter den Bewohnern waren viele Fischer, daher die Fischerstraße. Die Münzstraße führt zur ehemaligen Prägestätte. Der Zug der heutigen Puschkinstraße trug abschnittsweise die Namen Stein- und Ritterstraße, später zusammengefasst als Königstraße; seit 1950 heißt er nach Alexander Puschkin.
Von der Schelfe, der Siedlung nördlich der Altstadt. Der Name wird meist auf das niederdeutsche „Schelp“ für Schilf zurückgeführt, was zum sumpfigen Gelände passt; sicher ist diese Deutung nicht. Urkundlich erscheint die Schelfe erstmals 1186 als „scala“.
Am 26. Juni 1705 erhob Herzog Friedrich Wilhelm die Schelfe zur eigenständigen Stadt, die fortan Neustadt hieß. Urkundlich erwähnt ist die Schelfe schon 1186. Vereinigt mit der Altstadt wurde die Neustadt 1832.
Er stammt vom Reißbrett, folgt aber den alten Wegen. Jacob Reutz nahm die drei mittelalterlichen Straßenzüge auf, die strahlenförmig auf die Altstadt zuliefen, und legte nördlich davon ein regelmäßiges Gitter an. Wo die alten Achsen aufeinandertreffen, blieben dreieckige Flächen übrig – daraus wurden Ziegenmarkt und Schweinemarkt. Sein erster Entwurf mit einem einzigen Marktplatz von 100 × 190 Metern wurde vom Herzog abgelehnt.
In den 1980er Jahren war der Abriss großer Teile geplant. Die im Herbst 1988 gegründete Schelfstadt-Initiative aus Bürgern, Architekten und Künstlern stellte im Frühjahr 1989 erhaltende Gegenentwürfe aus; die Abrissaktivitäten wurden im selben Jahr gestoppt. Ab 1991 folgte die Sanierung mit Städtebauförderung, die 2024 mit der Amtstraße abgeschlossen wurde.
Sie ist ein barocker Zentralbau über kreuzförmigem Grundriss, entworfen von Jacob Reutz, 1708 begonnen und 1713 geweiht. Sie gilt als erster bedeutender Kirchenneubau Mecklenburgs nach der Reformation. Unter dem Altar liegt die herzogliche Gruft, bis 1813 Grablege des Hauses Mecklenburg-Schwerin.
Daten: Landkreis Ludwigslust-Parchim, REGIS M-V, DL-DE/BY 2.0, Stand 11.09.2026.
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Bebauungsplan Nr. 73.10 in Kraft seit 08.10.2010
Datenquelle: Landeshauptstadt Schwerin, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0.
Anzeige
Tipp: Passende Angebote rund um Ihren Aufenthalt in Schwerin — von Unterkünften bis zu Stadtplänen und Reiseführern.