Stadtteil Gartenstadt in Schwerin
Lage und Karte
Die Gartenstadt liegt im Süden Schwerins, zwischen dem Ostorfer See und dem Großen Dreesch. Im Norden reicht sie bis zur Stadionstraße, im Osten bis zur Ludwigsluster Chaussee, im Süden bis zur B 106/321 und im Westen bis zur Hagenower Chaussee und ans Ufer des Ostorfer Sees. Der Stadtteil geht auf die Gartenstadtbewegung zurück, die um 1900 von England ausging. Ihr Urbild war die planmäßig angelegte, eigenständige Stadt im Grünen; in Deutschland wurde daraus meist eine Vorstadtsiedlung aus Häusern mit Garten, so auch in Schwerin.
Die Gartenstadt-Genossenschaft
1912 gründete sich in Schwerin eine Gartenstadtgenossenschaft; bis zum Mai desselben Jahres hatte sie fast hundert Mitglieder. Ihre Satzung nannte als Ziel gesunde und preiswerte Wohnungen und Eigenheime für „minderbemittelte“ Bevölkerungskreise. Angeregt hatte das Heinrich Bilguer, der Leiter der Gewerbeschule. Ein Grundstück hatte die Genossenschaft zunächst nicht: Vorschläge scheiterten, Unterstützung aus der Stadt blieb aus.
1913 wurde sie bei der Nachbargemeinde Ostorf fündig und kaufte dort rund 40.000 Quadratmeter zwischen der Hagenower und der Ludwigsluster Straße. Gebaut wurde weiterhin nicht: Der Erste Weltkrieg kam dazwischen, das Geld war knapp, und die Abwasserentsorgung blieb ungeklärt.
Erst nachdem dieser Teil Ostorfs 1921 nach Schwerin eingemeindet worden war, entstanden in der Buchholzallee die ersten Zweifamilienhäuser, gebaut zwischen 1921 und 1923 nach Entwürfen von Willy Taebel. Um 1929 standen rund 55 Häuser, dazu einige Villen an der Haselholz- und der Hagenower Straße. Danach kam das Wachstum zum Erliegen. Die restliche Gemeinde Ostorf wurde 1928 aufgelöst und ebenfalls eingemeindet.
Die zehn Gründer der Genossenschaft waren selbst überwiegend kleine und mittlere Beamte.
Der Püsser Krug
Ein Haus stand hier lange vor der Gartenstadt. Die Stadtchronik verzeichnet für 1652 den Bau des Püsserkrugs – ein Jahr nach dem großen Stadtbrand vom 18. Juli 1651. Er lag an der Furt durch die Püsserbeke, über die die Fuhrwerke aus dem Süden und Osten in die Stadt kamen. Zunächst war es ein Katen; eine Schankgenehmigung ist erst für 1746 überliefert. Geläufig waren die Namen Bahrenkaten, Püsser Katen und Püsser Krug.
Anfang des 20. Jahrhunderts brannte das reetgedeckte Haus ab und wurde neu errichtet, nun mit großem Festsaal. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog anderes ein: eine Verkaufsstelle, die Stadtteilbücherei, eine Mütterberatungsstelle. 1979 wurde das Gebäude abgerissen. Geblieben ist der Name der Straße Am Püsserkrug.
Kasernen und Neue Gartenstadt
Ab Mitte der 1930er Jahre entstand südlich der Wohnhäuser ein ausgedehntes Kasernengelände. Nach 1945 nutzten es sowjetische Truppen, bis 1993. Am 25. Juni 1984 gerieten dort mit Munition beladene Lastwagen in Brand; die Munition explodierte, und Splitter beschädigten Garagen im angrenzenden Wohngebiet.
Nach dem Abzug lagen die Flächen brach. Das Baurecht für das neue Wohngebiet wurde Ende 2002 wirksam: Der Bebauungsplan „Neue Gartenstadt-Schwerin“ trat am 6. Dezember 2002 in Kraft, „Neue Gartenstadt-Mitte“ am 27. Mai 2005. Kasernen, Garagen und Werkstätten wurden abgerissen, an ihrer Stelle entstand ein zweites, deutlich jüngeres Wohngebiet. Eine seiner Straßen heißt Neue Gartenstadt.
Straßennamen
Zum Gartenthema passen mehrere Straßennamen: Rosenstraße, Tulpenweg, Lilienring, Blumenbrink. Andere nehmen die Umgebung auf – Am Krebsbach den Bach, die Haselholzstraße das Haselholz, Heidehorst, Langer Berg und Mittelfeld die Geländebezeichnungen.
Drei Straßen tragen Personennamen. Die Rudolph-Karstadt-Straße im neuen Wohngebiet wurde am 18. Oktober 2016 nach dem Kaufmann benannt: 1856 in Grevesmühlen geboren, eröffnete er 1881 in Wismar sein erstes Geschäft und starb 1944 in Schwerin. Die Mettenheimerstraße und die Wilhelm-Hennemann-Straße tragen die Namen zweier Schweriner Ärzte des 19. Jahrhunderts, Carl von Mettenheimer und Georg Wilhelm Gottlieb Hennemann.
Woher hat die Gartenstadt ihren Namen?
Von der Gartenstadtbewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts in England entstand. Ebenezer Howard veröffentlichte sein Modell 1898; ab 1903 wurde es in Letchworth verwirklicht. In Schwerin griff eine 1912 gegründete Genossenschaft die Idee auf und gab ihr den Namen.
Wann wurde die Gartenstadt gebaut?
Die ersten Zweifamilienhäuser entstanden von 1921 an in der Buchholzallee, nachdem das Gelände von Ostorf nach Schwerin eingemeindet worden war. Um 1929 standen rund 55 Häuser. Ein zweiter, viel jüngerer Teil kam nach 2002 auf dem früheren Kasernengelände hinzu.
Was war der Püsser Krug?
Ein Haus an der Furt durch die Püsserbeke, das die Stadtchronik für 1652 verzeichnet. Später war dort ein Krug, ab 1746 mit Schankgenehmigung. Nach einem Brand wurde das Gebäude neu errichtet und 1979 abgerissen. Die Straße Am Püsserkrug trägt den Namen weiter.
Welche Nachbarn hat die Gartenstadt?
Im Norden Ostorf, im Südwesten Krebsförden, im Südosten der Große Dreesch. Nach Westen reicht der Stadtteil ans Ufer des Ostorfer Sees, im Süden trennt ihn die B 106 von den Nachbarn.
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