Lage und Karte

Görries liegt im Südwesten Schwerins, zwischen den Ostorfer Seen im Osten, der Bahnstrecke nach Ludwigslust und dem Siebendörfer Moor im Westen. Bis 1917 war Görries ein eigenständiges Dorf. Von 1913 an lagen hier der Schweriner Flugplatz und eine Flugschule von Anthony Fokker; ab 1954 entstand auf einem Teil des Geländes ein Industriegebiet.

Das Dorf

Erstmals erwähnt wird Görries im 15. Jahrhundert. Lange blieb es ein Bauern- und Häuslerdorf: Um 1860 gab es hier einen Erbpächter, fünf Drittelhufen, elf Büdner und acht Häusler.

Im Mai 1917 wurde Görries nach Schwerin eingemeindet. Die Gemeinde hatte das nicht gewollt; die Landesregierung verfügte es aus militärischen Gründen – wegen des Flugplatzes, der seit 1913 auf Görrieser Gebiet lag. Am dörflichen Charakter änderte die Eingemeindung zunächst wenig.

Flugplatz und Fokker-Werke

Im November 1912 gründete sich die „Mecklenburgische Flugplatz-Gesellschaft Görries-Schwerin mbH“. Sie wählte die frühere Reitbahn bei Görries als Gelände, ließ es bis Ostern 1913 ebnen und einzäunen und beauftragte den Berliner Architekten Richard Thiede mit Zuschauertribüne, Restaurant und Flugzeughalle. Am 22. Juni 1913 wurde der Platz eröffnet, mit einem Rundflug von Lübeck über Schwerin nach Wismar.

Schon im März 1913 hatte der niederländische Konstrukteur Anthony Fokker zugesagt, seinen Betrieb von Berlin nach Schwerin zu verlegen. Im Mai eröffnete er in Görries eine Flugschule mit sechs Maschinen seines Typs „Spinne“.

Im Ersten Weltkrieg wuchs daraus eine Rüstungsproduktion. Die Schweriner Fokker-Werke – Görries war einer von mehreren Standorten in der Stadt – beschäftigten bis 1917 rund 1.600 Menschen und lieferten etwa 3.400 Flugzeuge. Tragflächen kamen von den Schweriner Klavierfabriken Perzina und Nützmann. Südlich der Rogahner Straße entstand ab 1915 eine Fliegerstation mit eigenem Gleisanschluss; am 15. März 1917 nahm dort eine Fliegerbeobachterschule den Betrieb auf.

1919 verlegte Fokker sein Unternehmen in die Niederlande. Die Siegermächte ordneten den Abriss eines Teils der Hallen an; in die übrigen wurden Mittelpfeiler eingezogen, damit sie als Flugzeughallen nicht mehr taugten. 1932 wurde der Platz zum Flughafen II. Ordnung aufgewertet, im September 1934 kaufte ihn die Deutsche Verkehrsfliegerschule von der Stadt und legte ein neues Rollfeld an; Teile der Fokkerbauten wurden dabei abgerissen.

Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Luftwaffe den Platz. Sowjetische Kriegsgefangene mussten hier Zwangsarbeit leisten, darunter gefährliche Arbeiten und solche mit Giftstoffen. Am 4. August 1944 und am 7. April 1945 trafen amerikanische Bombenangriffe das Gelände. 1945 wurde der Flugplatz geschlossen.

Das Industriegebiet

Auf dem südlichen Teil des früheren Flugplatzes entstand zwischen 1954 und 1970 ein Industriegebiet, vor allem für Großhandel, Lager sowie die Bau- und Baustoffwirtschaft. Die Bundesstraße 106 teilt den Stadtteil.

Straßennamen

Drei Straßen erinnern an die Luftfahrt: die Anthony-Fokker-Straße, die Lilienthalstraße nach dem Flugpionier Otto Lilienthal und die Zeppelinstraße. Sie liegen im Gebiet des früheren Flugplatzes.

Viele andere Namen gehen auf Görrieser Flurbezeichnungen zurück. 1921 berichtete die mecklenburgische Flurnamenkommission, dass für die geplante Straßenbenennung Namen aus der Görrieser Flurnamenliste ausgewählt worden seien. Als alter Flurname belegt ist etwa der Kaspelwerder; daneben stehen Am Erlenbruch, Am Heidberg, An der Hollenbäk, Auf dem Dwang, Knöchernhorst, Kurze und Lange Badlow, Mittelstelle, Paradiesweg und Schulzenweg. Zwei weitere Namen zeigen auf die Nachbarorte: Rogahner Straße und Krebsfördener Weg.

Was hat Görries mit Fokker zu tun?

Anthony Fokker verlegte 1913 seinen Flugzeugbau von Berlin nach Schwerin und eröffnete auf dem neuen Flugplatz Görries eine Flugschule. Görries war einer von mehreren Standorten der Schweriner Fokker-Werke, aus denen im Ersten Weltkrieg rund 3.400 Flugzeuge hervorgingen. 1919 ging das Unternehmen in die Niederlande.

Seit wann gehört Görries zu Schwerin?

Seit Mai 1917. Die Landesregierung verfügte die Eingemeindung des Dorfes aus militärischen Gründen, weil auf seinem Gebiet der Flugplatz lag.

Gibt es den Flugplatz Görries noch?

Nein, er wurde 1945 geschlossen. Auf dem südlichen Teil des Geländes entstand von 1954 an ein Industriegebiet.

Welche Nachbarn hat Görries?

Im Norden die Weststadt, im Nordwesten Neumühle, im Nordosten die Feldstadt, im Osten Ostorf, im Südosten Krebsförden und im Süden Wüstmark. Nach Westen und Südwesten grenzt Görries an die Gemeinden Klein Rogahn und Pampow.

Kitas in Görries (1)

Daten: Landkreis Ludwigslust-Parchim, REGIS M-V, DL-DE/BY 2.0, Stand 11.09.2026.

Bebauungspläne in Görries

Datenquelle: Landeshauptstadt Schwerin, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0.

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