Stadtteil Großer Dreesch in Schwerin
Lage und Karte
Der Große Dreesch liegt südöstlich der Innenstadt, auf einer Anhöhe mit Blick zum Schweriner See. Der heutige Stadtteil geht auf den ersten von drei Bauabschnitten des größten Bauvorhabens der Stadtgeschichte zurück: Ab 1971 entstanden hier binnen zwei Jahrzehnten mehr als 20.000 Wohnungen.
Der Name und die Zeit davor
„Dreesch“ ist ein altes Flurwort und bezeichnet ruhendes Ackerland, das als Viehweide genutzt wurde - im Plattdeutschen sinngemäß schlechter Acker. Eine Karte von 1786 führt das Gebiet als „Mittelfeld“.
Genutzt wurde die freie Fläche lange anders als zum Wohnen: 1813 übten hier deutsch-russische Truppen, und am 28. Oktober 1910 landete auf dem Exerzierplatz das Luftschiff Parseval VI.
Der Startschuss 1971
Ende 1969 fasste der Ministerrat der DDR den Beschluss, den Norden des Landes planmäßig zu industrialisieren; der VIII. Parteitag der SED bekräftigte ihn im Juni 1971 mit dem Versprechen, bis 1990 angemessenen Wohnraum für alle zu schaffen. Für Schwerin bedeutete das neue Industriebetriebe im Süden der Stadt und Wohnungen für die Arbeitskräfte, die überwiegend aus dem Süden der DDR kamen. Im Industriekomplex Schwerin-Süd liefen die Arbeiten bereits ab 1969, die Erschließung der Wohnbauflächen begann 1970.
Am 11. November 1971 wurde die erste Platte gesetzt - für die Wohnblocks Makarenkostraße 1 bis 7, die heute Andrej-Sacharow-Straße heißt. Bei der Zeremonie sprachen der erste Bezirkssekretär der SED, der Vorsitzende des Rates des Bezirks, der Schweriner Oberbürgermeister und ein Brigadier des Wohnungsbaukombinats. Schon im Februar 1972 zog der erste Wohnblock in der Makarenkostraße ein.
Für die Standortwahl sprachen das gleichzeitig entstehende Industriegebiet, die gute Tragfähigkeit des Baugrunds und der hohe Anteil an Ödland mit geringem Bodenwert. Im selben Jahr 1972 überschritt Schwerin die Marke von 100.000 Einwohnern und wurde Großstadt; bis 1988 wuchs die Stadt auf rund 130.000 Menschen.
Drei Bauabschnitte, drei Stadtteile
Geplant war das Gebiet in drei Abschnitten, die zeitgenössisch als Dreesch I, II und III bezeichnet wurden. Der erste Bauabschnitt - der heutige Große Dreesch - war 1981 fertiggestellt. Für den zweiten wurde am 5. Februar 1976 der Grundstein gelegt: 5.500 Wohnungen für rund 18.500 Menschen, fertig bis 1983. Er heißt heute Neu Zippendorf. Der dritte Abschnitt begann im Februar 1978 mit geplanten 9.500 Wohnungen für etwa 29.000 Menschen und war 1986 abgeschlossen; er trägt heute den Namen Mueßer Holz. Einzelne Vorhaben zogen sich noch bis 1987 hin.
Ein vierter Abschnitt war vorgesehen: Ab 1989 sollten in Krebsförden 3.000 Wohnungen für rund 9.000 Menschen entstehen, von den Behörden als „Großer Dreesch IV“ geführt. Nach 1989 wurde nur ein Teil davon gebaut.
Auch der Nahverkehr wuchs mit. Ab Anfang der 1970er Jahre entstanden rund zehn Kilometer neue Straßenbahnstrecke; der erste Abschnitt von der Altstadt bis zum heutigen Berliner Platz ging 1974 in Betrieb. 1973, als es noch keine Bahn gab, fuhren täglich über 4.000 Menschen mit dem Bus vom Dreesch zur Arbeit nach Schwerin-Süd.
Nach 1990
„Großer Dreesch“ hieß bis 1990 das gesamte Gebiet. Nach der Wende wurde es entlang seiner drei Bauabschnitte geteilt; der Name bezeichnet seitdem nur noch einen der drei Stadtteile.
Mit dem Bevölkerungsrückgang stand ein Teil der Wohnungen leer. Seit den 1990er Jahren wurde saniert und zurückgebaut: 2003 wurden das Hochhaus Anne-Frank-Straße 49 mit 53 Wohnungen und ein elfgeschossiges Hochhaus an der Arno-Esch-Straße abgerissen; fünf Hochhäuser an der Anne-Frank-Straße wurden saniert.
Straßennamen als Programm
Viele Straßennamen im Stadtteil folgen einem Thema. Bei den Umbenennungen der Jahre 1990 und 1991 - in Schwerin bekamen damals 29 Straßen neue Namen - sollten die neuen Namen im Großen Dreesch unterschiedliche Formen von Widerstand in der Geschichte abbilden. Daher stehen hier der Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der sowjetische Physiker und Bürgerrechtler Andrej Sacharow, der DDR-Regimekritiker Robert Havemann und der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King im Straßenverzeichnis.
Nicht alle Straßen gehören zu diesem Muster: Dreescher Markt, Friedrich-Engels-Straße und Am Grünen Tal tragen andere Namen. Auch für weitere Stadtteile bestehen eigene thematische Schwerpunkte – im Mueßer Holz Persönlichkeiten der Wissenschaft, in Lankow Namen schleswig-holsteinischer Städte.
Woher kommt der Name Dreesch?
„Dreesch“ ist ein altes Flurwort für ruhendes Ackerland, das als Viehweide diente; im Plattdeutschen steht es sinngemäß für schlechten Acker. Auf einer Karte von 1786 heißt das Gebiet noch „Mittelfeld“.
Wann wurde der Große Dreesch gebaut?
Der Grundstein wurde am 11. November 1971 gelegt, für die Wohnblocks der heutigen Andrej-Sacharow-Straße. Im Februar 1972 zogen die ersten Mieter ein, 1981 war der erste Bauabschnitt fertiggestellt.
Was bedeuten Dreesch I, II und III?
So hießen die drei Bauabschnitte des Neubaugebiets. Aus ihnen wurden nach 1990 die eigenständigen Stadtteile Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz. Ein vierter Abschnitt in Krebsförden war als „Großer Dreesch IV“ geplant und wurde nur teilweise gebaut.
Wonach sind die Straßen im Großen Dreesch benannt?
Viele erinnern an unterschiedliche Formen von Widerstand in der Geschichte, etwa an Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Andrej Sacharow, Robert Havemann und Martin Luther King. Das Thema geht auf die Straßenumbenennungen von 1990 und 1991 zurück.
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