Lage und Karte

Das Mueßer Holz liegt im Südosten Schwerins, südlich des Schweriner Sees und weitgehend von Wald umgeben. Seinen Namen hat der Stadtteil vom gleichnamigen Waldgebiet; „Holz“ steht dabei für Wald, und der Wald wiederum ist nach dem Dorf Mueß benannt. Gebaut wurde das Gebiet ab 1978 als dritter und größter Bauabschnitt des Großen Dreesch. Zum eigenen Stadtteil wurde es erst, als das Neubaugebiet nach 1990 entlang seiner drei Bauabschnitte geteilt wurde.

Geschichte

Der dritte Bauabschnitt war der größte: Geplant waren 9.500 Wohnungen für rund 29.000 Menschen. Gegen Ende der DDR wohnte fast die Hälfte aller Schweriner im Neubaugebiet Großer Dreesch, das damals noch alle drei Abschnitte umfasste.

Am 7. April 1984 ging die Straßenbahnstrecke bis zur Hegelstraße in Betrieb. Sie verband das neue Wohngebiet mit den Betrieben im Süden der Stadt, für die es gebaut worden war.

Am Ende reichte die Bebauung über die damalige Stadtgrenze hinaus: Ein Teil der fünfgeschossigen Zeilen im Süden steht auf Flächen, die zur Nachbargemeinde Plate gehörten.

Das Lenin-Denkmal

An der Kreuzung von Hamburger Allee und Plater Straße steht das Schweriner Lenin-Denkmal, errichtet 1985 zum 825. Jahrestag der Stadtgründung. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hat 2025 seinen Denkmalwert begründet: Es sei das aufwendigste Kunstwerk, das in Schwerin zu DDR-Zeiten im öffentlichen Raum entstand, und das letzte erhaltene Denkmal seiner Art.

Die Bronzefigur ist 3,20 Meter hoch und steht auf einer nur etwa 50 Zentimeter hohen Basis, nicht auf einem Sockel. Die Hände stecken in den Manteltaschen, die Oberfläche ist skizzenhaft belassen, Knöpfe und Kragen sind nur angedeutet. Auf der vorderen, schräg ansteigenden Fläche der Basis stehen in erhabenen Buchstaben die Worte „Das Dekret über den Boden“; daneben sind Erdschollen dargestellt, wie vom Pflug aufgeworfen.

Die Figur stammt vom estnischen Bildhauer Jaak Soans, geboren 1943. Er erhielt den Auftrag 1978 mit 35 Jahren: Die Schweriner Bezirksleitung der SED hatte sich an das Zentralkomitee der Estnischen Kommunistischen Partei gewandt und von dort die Empfehlung für Soans bekommen. Ab 1979 kam Soans jährlich nach Schwerin und arbeitete von Oktober 1983 bis März 1984 in einer eigenen Werkstatt vor Ort. Gegossen wurde die Figur in der Bronzegießerei Lauchhammer in der Lausitz. Den Platz gestaltete der Schweriner Formgestalter Peter Schmidt; zu seinem Entwurf gehörten zwei doppelte Reihen von Fahnenmasten, die nach 1993 abgebaut wurden.

Das Landesamt ordnet Soans unter den Bildhauern ein, die im sowjetisch beherrschten Baltikum die engen Vorgaben des sozialistischen Realismus zu weiten versuchten. Die niedrige Basis und der Verzicht auf eine heroische Pose unterscheiden den Schweriner Lenin von den älteren Denkmälern in Berlin und Potsdam.

Straßennamen

Die Straßen im Mueßer Holz sind nach Persönlichkeiten der Wissenschaft benannt; so beschreibt es das Amt für Stadtentwicklung, und fast alle Straßen des Stadtteils folgen dem Muster. Vertreten sind Kopernikus, Galilei, Kepler, Newton, Leibniz, Euler und Otto von Guericke, dazu Faraday, Justus von Liebig, Mendelejew, Lomonossow, Pawlow, Marie Curie, Max Planck, Lise Meitner, Niels Bohr und Einstein. Zur Wissenschaft gerechnet wurde dabei auch die Philosophie: Kant, Hegel und Fichte haben ebenfalls eine Straße. Für die Raumfahrt stehen Ziolkowski, Gagarin und Komarow.

Aus dem Muster fallen die Hamburger Allee, die den Stadtteil in Nord-Süd-Richtung durchquert, und die Plater Straße, die nach der südlich angrenzenden Gemeinde Plate benannt ist.

Rückbau und neue Freiflächen

Zwischen dem Ende der 1980er Jahre und 2013 verlor Schwerin fast ein Drittel seiner Einwohner. In den drei Plattenbaustadtteilen im Süden stand daraufhin ein Teil der Wohnungen leer; Anfang der 2000er Jahre wurden sie zu Stadtumbaugebieten. Für die Jahre 1993 bis 2007 bewilligte die Städtebauförderung den drei Gebieten zusammen 36,5 Millionen Euro für die Aufwertung und 10,8 Millionen Euro für den Rückbau von rund 3.100 Wohnungen.

Auf einem Teil der frei gewordenen Flächen entstanden Parks. 2006 wurde die Wilhelm-Höcker-Schule in der Hegelstraße zurückgebaut; auf ihrem Gelände entstand in mehreren Abschnitten der Gorodki-Park, benannt nach einem slawischen Wurfspiel. Zwischen Hegel- und Kantstraße wurden fünfgeschossige Wohnblöcke abgerissen, auf ihren Flächen liegt der PlattenPark. Bei beiden Parks haben die Bewohner mitgeplant.

Die Holzkirche

An der Hamburger Allee steht die russisch-orthodoxe Kirche des heiligen Dimitrios, ein Blockhaus mit Zwiebeltürmen. Der Entwurf stammt von 2011, geweiht wurde die Kirche am 10. November 2012 nach etwa anderthalb Jahren Bauzeit. Bauherrin war die Berliner Diözese der Russisch-Orthodoxen Kirche, finanziert wurde der Bau aus Spenden. Er hat rund 140 Quadratmeter und fasst etwa 150 Menschen.

Woher hat das Mueßer Holz seinen Namen?

Vom Wald gleichen Namens, der nach dem Dorf Mueß östlich davon heißt. Mueß wurde am 1. Mai 1304 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, damals als „ville Muce“; die Urkunde steht im Mecklenburgischen Urkundenbuch. Das ehemalige Fischer- und Bauerndorf ist heute selbst ein Schweriner Stadtteil.

Welche Nachbarn hat das Mueßer Holz?

Im Westen Neu Zippendorf, im Norden Zippendorf und Mueß, im Südwesten der Stadtteil Göhrener Tannen. Im Süden grenzt das Mueßer Holz an die Gemeinde Plate mit dem Dorf Consrade.

Wo steht das Lenin-Denkmal in Schwerin?

An der Kreuzung von Hamburger Allee und Plater Straße im Mueßer Holz. Die Bronzefigur wurde 1985 zum 825. Jahrestag der Stadtgründung aufgestellt, geschaffen hat sie der estnische Bildhauer Jaak Soans.

Gehört der Fernsehturm zum Mueßer Holz?

Nein. Der Fernsehturm und die Halle daneben, in der das Feuerwehrmuseum untergebracht ist, liegen an derselben Straße, aber im Stadtteil Neu Zippendorf. Die Hamburger Allee führt durch beide Stadtteile.

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