Lage und Karte

Die Werdervorstadt liegt zwischen dem Ziegelsee im Westen und dem Schweriner Innensee im Osten und Süden; der Heidensee liegt vollständig im Stadtteil. Der Name geht auf das Wort „Werder“ zurück, das höheres Land inmitten von Wasser oder Sumpf bezeichnet – auch der Nachbarstadtteil Schelfwerder trägt es im Namen. Geprägt wird der Stadtteil von zwei Dingen: dem Wasser und der Industriegeschichte an seinem Ufer.

Vom Feld zum Wohngebiet

Das Gebiet gehörte zur Schelfstadt, die 1705 als eigene Stadt nördlich der Altstadt gegründet worden war. 1832 wurden Altstadt und Schelfstadt vereinigt. Bebaut war hier zunächst wenig: einzelne Häuser an den Ausfallstraßen, dazu Bauten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und aus den Jahren zwischen 1910 und 1930. Die größte Erweiterung kam von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis an den Anfang des 21. – in dieser Zeit entstanden die meisten Wohngebiete.

Aus dieser jüngeren Bauphase stammt ein eigenes Straßennamenkonzept: Im Wohngebiet an der alten Molkerei tragen die Straßen Namen von Frauen – darunter die Schriftstellerin Brigitte Reimann, die Schauspielerin Lucie Höflich und Ida Masius, die beim Aufbau des Augustenstifts in der Feldstadt eine leitende Rolle hatte.

Torhäuser und Kaserne

An der Werderstraße stehen die Güstrower Torhäuser. Sie gehören zu sechs Torhäusern, die zwischen 1840 und 1842 nach Plänen Georg Adolph Demmlers an den Einfallstraßen Schwerins entstanden – dazu zählen auch die Berliner Torhäuser am Platz der Jugend. An ihnen wurde die Akzise erhoben, eine Abgabe auf Waren, die in die Stadt kamen. Die beiden klassizistischen Bauten an der Straße nach Güstrow sind Baudenkmale.

Nicht weit davon liegt die Werder-Kaserne, ein dreigeschossiger Klinkerbau der Gründerzeit. Sie entstand von 1901 bis 1904 für das Militär des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin und wurde am 29. März 1904 eröffnet. Zu DDR-Zeiten hieß sie Kurt-Bürger-Kaserne; seit 2007 ist dort das Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern der Bundeswehr untergebracht.

Hafen, Speicher und Brauerei

Am Ostufer des Ziegelinnensees ließ die Stadt 1911 eine Kaimauer bauen und widmete das Gelände, auf dem schon Mühlen und Sägewerke standen, zum ersten Industriegebiet Schwerins um. 1924 nahm eine Hafenbahn den Betrieb auf. 1939/40 errichtete die Firma Ohlerich & Sohn hier ein großes Getreidesilo, sechsgeschossig und mit einem Fassungsvermögen von 6.000 Tonnen. Der Bau ist ein Baudenkmal.

Hinter dem Namen der Bauherrin steht ein Verbrechen. Bis 1933 hieß die Firma Löwenthal, Nord & Co.; Joseph Löwenthal hatte sie 1855 in Bützow gegründet, seit 1864 saß sie in Schwerin. Mit Speichern in der Severinstraße, Filialen in Mecklenburg und Schleswig-Holstein und über hundert Beschäftigten gehörte sie zu den größten Betrieben ihrer Art im Land. Paul Ohlerich, seit 1906 Mitgesellschafter und der einzige nichtjüdische Teilhaber, betrieb nach der nationalsozialistischen Machtübernahme die „Arisierung“: Otto Löwenthal verlor die Geschäftsführung und wurde zum Kommanditisten herabgestuft, das Unternehmen firmierte fortan als Ohlerich & Sohn.

1938 drängte Ohlerich die jüdischen Altgesellschafter, die Familien Löwenthal und Nord, endgültig hinaus. Der Abfindung stimmte Otto Löwenthal nur zu, um seine Auswanderung nicht zu gefährden; ausgezahlt wurde sie nie. Der mecklenburgische Gauleiter Hildebrandt erließ Ohlerich die Zahlung und verlangte von ihm stattdessen einen „Arisierungsgewinn“ für das Reich. Das Verfahren zog sich bis Januar 1941 hin, für eine Auswanderung war es da zu spät. Otto Löwenthal, seine Frau Elly und die beiden Kinder wurden am 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 2019 benannte die Stadt eine Straße im Stadtteil zur Erinnerung an die Familie Löwenthal.

Ebenfalls am Ostufer liegt das Gelände der Alten Brauerei, die auf die Gründer Schall und Schwencke zurückgeht. Die Angaben zum Gründungsjahr schwanken zwischen 1857 und 1867; gebraut wurde hier von den 1860er Jahren bis 1995. Der Schall-und-Schwencke-Weg erinnert an die beiden Namensgeber.

Am Wasser

Der Ziegelsee entstand in der Weichseleiszeit und teilt sich in den nördlichen Außensee und den bebauten südlichen Innensee. Er gehört zur Stör-Wasserstraße, einer Bundeswasserstraße; der Außensee ist Teil des EU-Vogelschutzgebiets Schweriner Seen, in dem auch Fischotter leben. Der Werderkanal verbindet den Ziegelsee mit dem Heidensee.

Woher kommt der Name Werdervorstadt?

Von „Werder“, einem alten Wort für höheres Land inmitten von Wasser oder Sumpf. Derselbe Wortstamm steckt im Namen des Nachbarstadtteils Schelfwerder.

Seit wann gehört die Werdervorstadt zu Schwerin?

Seit 1832, als Altstadt und Schelfstadt vereinigt wurden. Das Gebiet gehörte zur Schelfstadt, die 1705 als eigene Stadt gegründet worden war.

Was sind die Güstrower Torhäuser?

Zwei klassizistische Baudenkmale an der Werderstraße, zwischen 1840 und 1842 nach Plänen Georg Adolph Demmlers erbaut. An ihnen wurde die Akzise erhoben – eine Abgabe auf Waren, die in die Stadt gebracht wurden. Insgesamt entstanden sechs solcher Torhäuser an den Einfallstraßen Schwerins.

Wer hat den Speicher am Ziegelsee gebaut?

Die Schweriner Firma Ohlerich & Sohn, 1939/40. Bis 1933 hieß sie Löwenthal, Nord & Co. – ihre jüdischen Gesellschafter waren zu diesem Zeitpunkt aus dem Unternehmen gedrängt, die Familie Löwenthal wurde 1943 in Auschwitz ermordet. An sie erinnert die Löwenthalstraße.

Welche Seen liegen in der Werdervorstadt?

Der Heidensee liegt vollständig im Stadtteil und ist durch den Werderkanal mit dem Ziegelsee verbunden. Der Ziegelsee bildet die Westgrenze, im Osten und Süden grenzt der Schweriner Innensee an.

Kitas in Werdervorstadt (3)

Schulen in Werdervorstadt (1)

Daten: Landkreis Ludwigslust-Parchim, REGIS M-V, DL-DE/BY 2.0, Stand 11.09.2026.

Bebauungspläne in Werdervorstadt

Datenquelle: Landeshauptstadt Schwerin, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0.

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